Die Katze im Sack gekauft?

Alles was richtig dampft und qualmt
erwa20
Beiträge: 127
Registriert: 21 Dez 2015, 20:35

Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von erwa20 » 09 Aug 2016, 23:09

Hallo zusammen

In diesem Thema möchte ich den Interessierten unter euch berichten was einem erwarten kann wenn man eine gebrauchte Echtdampflok ersteigert.

Von Anfang an:
Im Frühling dieses Jahren wurde von einem Auktionshaus (nicht online) Eine Echtdampflok von Roundhouse angeboten. Es handelte sich um das Modell Argyll welches zwischen 1993 und 2004 hergestellt wurde.
Das Vorbild verkehrte auf der Campbeltown and Machrihanish Light Railway in Scotland .
Zurück zum Modell: Ich interessierte mich für dieses Modell und nutzte deshalb die Möglichkeit an einem der Vorbesichtigungstermine das Modell in Augenschein zu nehmen.
Was muss man beachten? Natürlich sollte das Modell vollständig sein, gar nicht so einfach dies zu beurteilen verstecken sich doch manche Teile an von aussen nicht sichtbaren Orten. Am Kessel sollten keine Beschädigungen sichtbar sein, das selbe gilt für den Gastank, die Zylinder, die Steuerung und das Chassis. Der Gesamteindruck sollte eine gepflegte Erscheinung abgeben. Man sollte, wenn es geht, Bei geschlossenem Dampfventil versuchen das Modell vorsichtig zu schieben, man merkt dann sofort ob die Zylinder verdichten oder nicht.
Beim angebotenem Modell schien mir nichts wesentliches zu fehlen, Defekte waren keine zu erkennen. Das Modell schien vor nicht zu langer Zeit noch gelaufen zu sein, verharzte Dampfoelresten waren unter der Rauchkammer nicht zu finden.
Da ich schon vorher von der Firma Roundhouse bestätigt bekam dass Ersatzteile erhältlich seien, allerdings die Speichenräder manchmal Ausbrüche aufweisen könnten wollte ich versuchen das Modell zu ersteigern (die Räder machten keinen schlechten Eindruck).
Am Auktionstag begab ich mich also früh genug zum Auktionshaus und wartete bis die Position zum Ausruf kam. Ich wollte nicht viel mehr als den Ausrufpreis bezahlen, man muss ja noch 20% Auktionsgebür mit einrechnen. Als das Modell Argyll dran war wurde es spannend, gibt es Vorgebote?, Bietet jemand im Saal mit? Zu meinem Erstaunen passierte erst ein mal gar nichts. Scheinbar war ich der einzige Interessent. Gut für mich, so kam ich zu einem guten Preis zum gewünschten Modell.

Man könnte nun versuchen das gekaufte Modell einfach mit Gas / Wasser / Oel zu befüllen und anzuheizen. Das könnte aber daneben gehen.
Ich habe deshalb zuerst ein mal den Kessel einer Druckprobe unterzogen, das geht so:
Das Sicherheitsventil abschrauben, Kessel vollständig (das ist wichtig) mit Wasser füllen, am Gewinde des Sicherheitsventils Druckluft anschliessen, Sämtliche Ventile schliessen, langsam Luftdruck bis zum doppelten Betriebsdruck (hier 80 psi) aufbauen, Druckluftleitung schliessen und über ein in die Druckluftleitung eingebautes Messgerät (Manometer) den Druckabfall beobachten. Für diese Prozedur hatte ich mir schon vor einiger Zeit eine Apparatur zusammengeschraubt (ich kontrolliere meine Lok's regelmässig), anstelle eines Manometers ist ein elektrischer Drucktransmitter eingebaut damit kann ich den Druckabfall über ein Voltmeter auf dem PC aufzeichnen.

Demnächst berichte ich weiter.
Zuletzt geändert von erwa20 am 11 Aug 2016, 12:56, insgesamt 1-mal geändert.
Gruss
Beat

Benutzeravatar
CSX
Beiträge: 2810
Registriert: 02 Mai 2013, 17:19
Wohnort: Schweiz

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von CSX » 10 Aug 2016, 19:25

Interessant machst du auch Fotos ?
Heute bin ich einer von denen,
von denen mich meine Eltern früher
immer gewarnt haben..................................

Benutzeravatar
Sbbfreack
Beiträge: 333
Registriert: 26 Jul 2015, 09:34

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von Sbbfreack » 10 Aug 2016, 20:00

Hoi Erwa20

In der Firma haben wir ein solches Datenlogger-Manometer um Druckproben zu erstellen.
WP_20160802_14_04_23_Pro(1).jpg
Der Datenlogger erstellt ein Diagramm mit Zeit, Temperatur und Druck. Es kann auch programmiert werden um welche Zeit die Aufzeichnung startet und endet.

Wie teuer das Teil war weiss ich allerdings nicht.

MFG

Sbbfreack
Die Verwendung von Mikrocontrollern in der Modellwelt eröffnet viele Möglichkeiten.

erwa20
Beiträge: 127
Registriert: 21 Dez 2015, 20:35

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von erwa20 » 10 Aug 2016, 20:46

CSX hat geschrieben:Interessant machst du auch Fotos ?
Ja, hab ich natürlich gemacht (das Modell ist ja schon wieder voll betriebsfähig). Nicht zuletzt auch als Dokumentation für mich selber.



Sbbfreack hat geschrieben:Hoi Erwa20

In der Firma haben wir ein solches Datenlogger-Manometer um Druckproben zu erstellen.
WP_20160802_14_04_23_Pro(1).jpg
Der Datenlogger erstellt ein Diagramm mit Zeit, Temperatur und Druck. Es kann auch programmiert werden um welche Zeit die Aufzeichnung startet und endet.

Wie teuer das Teil war weiss ich allerdings nicht.

MFG

Sbbfreack
Hallo Sbbfreack

Wie teuer das Teil ist kann ich Dir auf die schnelle nicht sagen. Ganz so viel ist es vermutlich nicht. Ich verwende in der Firma jeweils einzelne Sensoren welche dann an mehrkanalige Datenlogger angeschlossen werden. Wir achten darauf das die Sensoren wenn möglich Normsignale abgeben können, z.B. 4-20mA, 0-1Volt, 0-10Volt etc. Die Sensoren müssen natürlich gemäss QS Vorschrift regelmässig kalibriert werden. Ich weiss nicht in welchem Zeitinterwall Dein Drucklogger messen kann. Für die Druckprobe an meinen Dampfmodellen lasse ich den Logger recht langsam aufzeichnen, üblicherweise alle 12 Sekunden werden die Sensoren abgefragt das gibt dann 5 Datensätze pro Minute. Es geht auch schneller wenn z.B. der Druck schnell abfällt, dann könnte ich bis 10 Abfragen pro Sekunde aufzeichnen. Wirklich schnell ist das immer noch nicht. Als Vergleich: Bei Messungen im Windkanal sind mit Highspeed-Kameras bis zu 10000 Bilder / Sekunde möglich, das mal zwei (2 Kameras) und synchronisiert mit zwei Industrielasern. Die Sensoren welche zum Betrieb und zur Überwachung des Windkanals notwendig sind werden 3 mal / Sekunde abgefragt daraus werden dann alle 2 Sekunden Mittelwerte errechnet welche dem Operator angezeigt werden. Die Steuerung selber (SPS) reagiert sofort sollte ein Sensor einen unzulässigen Wert messen. Das hat jetzt aber mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun, ich werde aber trotzdem von meiner Messeinrichtung für die Kesseldruckprobe ein Bild machen und hier einstellen.
Gruss
Beat

Benutzeravatar
Sbbfreack
Beiträge: 333
Registriert: 26 Jul 2015, 09:34

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von Sbbfreack » 10 Aug 2016, 20:57

Das hat jetzt aber mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun
Doch :P nur wäre das etwas sehr übertrieben für eine einfache Druckprobe, im Prinzip müsste man das nicht mal aufzeichnen, einfach Druck drauf geben und ein paar Stunden warten, wenn der Druck immer noch gleich ist wie am Anfang ist der Kessel dicht.

Der Datenlogger kann maximal alle 2 Sec aufzeichnen.

Bin ebenfalls gespannt auf die Fotos
Die Verwendung von Mikrocontrollern in der Modellwelt eröffnet viele Möglichkeiten.

erwa20
Beiträge: 127
Registriert: 21 Dez 2015, 20:35

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von erwa20 » 10 Aug 2016, 21:54

Sbbfreack hat geschrieben: ..........im Prinzip müsste man das nicht mal aufzeichnen, einfach Druck drauf geben und ein paar Stunden warten, wenn der Druck immer noch gleich ist wie am Anfang ist der Kessel dicht.
Im Prinzip würde das schon ausreichen solange man das für sich selber macht. Will man aber dann und wann als Gast auf anderen Anlagen fahren oder an einem Get to gether teilnehmen ist es nicht mehr so einfach. Da werden immer mehr Nachweise solcher Druckproben verlangt. Das kommt nicht von ungefähr sondern ist halt die Konsequenz daraus das manche mit Ihren Echtdampfmodellen nicht immer pfleglich umgehen. Natürlich ist die frei werdende Energie eines solchen Modellkessels nicht so gross sollte es zum versagen einer Verbindung oder des Kessels kommen, es reicht aber aus um sich zu verbrühen oder durch herum fliegende Teile verletzt zu werden.
Ein weiterer Vorteil der Aufzeichnung ist es vergleichen zu können. Wird das selbe Modell immer undichter ist das ein Hinweis das man genauer nachschauen muss. Es muss nicht gleich der Kessel beschädigt sein, meist ist es eine der zahlreichen Verschraubugen oder defekte (ausgetrocknete) Dichtungen welche als Ursache in Frage kommen. Deswegen mache ich die ganze Prozedur an gebraucht gekauften Echtdampfmodellen.
Gruss
Beat

erwa20
Beiträge: 127
Registriert: 21 Dez 2015, 20:35

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von erwa20 » 11 Aug 2016, 23:15

CSX hat geschrieben:Interessant machst du auch Fotos ?
So, hier mal die ersten Bilder:
Messbox Druckprobe.jpg

Das ist meine Testinstallation für die Kesseldruckprobe:
Von links nach rechts:
Druckreduzierventil; Anlageventil (Blau); Magnetventil; Entlüftungsventil (grün), Trennventil (rot); T-Stück mit Sensor.
Die Messung funktioniert so: Alle Ventile schliessen, Kessel mit Wasser füllen, mittels Adapter mit der Testinstallation verbinden, Druck einstellen, Anlageventil öffnen, Magnetventil öffnen (Spannung ein), Messung starten (Datenlogger), Trennventil langsam öffnen, warten bis der Druck vollständig anliegt, Magnetventil schliessen (Start der Messung) Trennventil schliessen. Nach beenden der Messung das Entlüftungsventil öffnen, Magnetventil öffnen (Spannung aus = Ende der Messung) Trennventil langsam öffnen, warten bis der Überdruck ausgeglichen ist, Das Modell kann von der Testinstallation getrennt werden.
Auf dem Bild fehlen allerdings noch alle elektrischen Verbindungen der Testinstallation (habe das Bild während des Aufbaus gemacht).
Auf dem Datenlogger wird auch die Steuerspannung für das Magnetventil aufgezeichnet, so sind Start und Ende der Messung genau definiert. Bevor ich ein Modell messe, mache ich natürlich eine Nullmessung der Anlage.



So sah es aus bevor ich es "behandelt" habe.
Dorenbach_Argyll.jpg
Foto freundlicherweise von Auktionshaus Dorenbach http://www.dorenbach.ch zur verfügung gestellt.

Gar nicht schlecht, oder? Die Fernsteuerung ist noch eine alte 40MHz Anlage, das muss ersetzt werden. Einige Näggi und Schrammen hat das Modell schon, sind aber nur kleine optische Mängel. Gut zu sehen sind die oben schon erwähnten Speichenräder. Die schwarze Farbe ist aber nicht original, schaut aber nicht schlecht aus.

Nach der Kesseldruckprobe habe ich mit den zerlegen des Modells begonnen, (eigentlich könnte man jetzt das Modell in Betrieb nehmen, Kessel schien dicht zu sein, alle beweglichen Teile, soweit ich es beurteilen konnte, in Ordnung, die Fernsteuerung funktioniert. Ein guter Kauf. Ich wollte aber eine aktuelle Fernsteuerung einbauen, da man dafür das Modell teilweise zerlegen muss bot es sich an auch gleich andere dann zugängliche Teile zu reinigen / kontrollieren / ersetzen), zuerst kommt das Steuerhaus und die (funktionslosen) Wasserkästen weg, dann sind die meisten Leitungen und Armaturen zugänglich.
Argyll02.jpg
Im Vordergrund der Gastank mit dem Ronson Gaseinfüllventil. Rechts der Gashahn, in der Mitte der Dampfhahn mit Servohebel. Hinter dem Gashahn der Servo für den Dampfhahn. Rechts das Manometer, dahinter der Verdrängungsoeler.

Als nächstes habe ich die ganze Gasanlage und den Verdrängungsoele demontiert um an die "Innereien" heran zu kommen.
Argyll03.jpg

Der Verdrängungsoeler und der Düsenstock wurden im Ultraschallbad gereinigt. Besonders die Reinigung des Verdrängungsoelers ist wichtig weil man ja nicht weiss mit welchem Oel der Vorbesitzer gearbeitet hat, und Verschmutzungen müssen unbedingt entfernt werden damit der Verdrängungsoeler richtig funktionieren kann. Tut er das nicht könnten die Zylinder zu wenig Schmierung bekommen und beschädigt werden.
Argyll04.jpg


Die Gasdüse wird durch eine neue ersetzt.
Argyll05.jpg

Als nächstes muss der Brenner ausgebaut werden. Davon im nächsten Beitrag, ich hoffe bisher gefällt's?
Zuletzt geändert von erwa20 am 12 Aug 2016, 10:44, insgesamt 1-mal geändert.
Gruss
Beat

Benutzeravatar
Zoltan
Beiträge: 365
Registriert: 22 Jun 2016, 13:07

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von Zoltan » 12 Aug 2016, 08:34

Mir schon, auch wenn ich kein Ultraschallbad habe :)

LG Zoltan
StEAG - Somestaler Eisenbahn-Aktiengesellschaft
BW Traktion Langkatzenhofen
SzVVT - Szamosvölgyi Vaspálya Társaság
Bild
Schaut mal vorbei bei meiner 1:1 @ www.lokteam.at

erwa20
Beiträge: 127
Registriert: 21 Dez 2015, 20:35

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von erwa20 » 12 Aug 2016, 09:21

Zoltan hat geschrieben:........ auch wenn ich kein Ultraschallbad habe :)
Hatte auch lange nicht. Ein solches Ultraschallbad ist aber schon nicht schlecht, gerade wenn man an Echtdampfmodellen arbeitet. Seit ich ein's habe möchte ich nicht mehr darauf verzichten :)
Gruss
Beat

erwa20
Beiträge: 127
Registriert: 21 Dez 2015, 20:35

Re: Die Katze im Sack gekauft?

Beitrag von erwa20 » 15 Aug 2016, 20:29

Guete Abig mitenand

Weiter geht es mit der Argyll:

Als nächstes muss der Gasbrenner ausgebaut werden damit zu sehen ist ob dieses Teil auch in Zukunft noch seine zugedachte Funktion erfüllen kann.
Nochmal dieses Bild:
Argyll06.jpg
Ich habe den Gasbrenner mit einem Ring markiert. Das Rohr welches von links hinter dem Flansch des Gasbrenners verschwindet ist das Überhitzerrohr. Es leitet den Dampf aus dem Kessel durch das Flammrohr und die Rauchkammer zu den Zylindern. Die Idee des Herstellers ist folgende: Da das Rohr über der Flamme nach vorne geführt wird soll die Kondenswasserbildung vermindert werden.
Den ausgebauten Gasbrenner habe ich mit einer Messingdrahtbürste gereinigt, sieht dann so aus:
Argyll07.jpg
Das macht einen intakten Eindruck, auch bei genauerem hinsehen. Der Gasbrenner kann daher wieder eingebaut werden. Zuvor hatte ich aber noch mit einer kleinen LED Lampe in das Flammrohr geleuchtet um das Überhitzerrohr zu kontrollieren, es gab nichts zu beanstanden.

Bereits weiter oben habe ich erwähnt das die 40 MHz Fernsteuerung gegen ein aktuelles Exemplar getauscht werden soll. Der Empfänger der alten Fernsteuerung ist etwas ungünstig platziert:
Argyll08.jpg
Direkt neben dem Kessel wird es ordentlich warm, für Elektronik nicht wirklich gut geeignet. Schon bei einem anderen Modell gab es damit Probleme insbesondere deshalb weil ja das ganze noch von den Wasserkästen eingehaust wird. Es braucht einen anderen Platz, ich fand diesen direkt vor dem Gastank, geklemmt wird der neue Empfänger von der Gasleitung.
Argyll10.jpg
Ja wie jetzt? Schon wieder nahe dem Kessel eingebaut? Ja, aber der Gastank kühlt bei der Gasentnahme ab, also kein Problem. Bei den unvermeidlichen Akkus (für die Fernsteuerung) ist es ähnlich, sie sind direkt neben dem Kessel in einem der Wasserkästen eingebaut. Ich fand keinen besseren Platz, deswegen brachte ich gegen den Kessel eine Isolation bestehend aus Keramikvlies an. Als Kleber verwendete ich ein Gemisch aus Talcum und Wasserglas. Das hält vorzüglich auch bei höheren Temperaturen.
Argyll09.jpg
Zuletzt geändert von erwa20 am 19 Sep 2017, 12:31, insgesamt 1-mal geändert.
Gruss
Beat

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast